Neubeurer Woche

100 Jahre Rosenkavalier

Nach dem 100. Todestag des Barons von Wendelstadt 2010, der Schloss Neubeuern 1882 kaufte und den Mittelbau von Gabriel von Seidlab 1904 neu aufbauen ließ, feiert Schloss Neubeuern zum Jahreswechsel erneut ein besonderes Jubiläum. Die erste, sogenannte „Neubeurer Woche“, ein Künstlertreffen auf dem Schloss, jährt sich zum hundertsten Mal. Initiiert ha tdas Treffen der Kunsthistoriker und Schwager der damaligen Schlossherrin Baronin Julie von Wendelstadt, Baron Eberhard von Bodenhausen.

Bei diesem Treffen mit Gästen wie Annette Kolb, Rudolf Alexander Schröder, Alfred Walter Heymel, Henry van de Velde, Eberhard von Bodenhausen und Théo van Rysselberghe las Hugo von Hofmannsthal zum ersten Mal aus dem Libretto des Rosenkavaliers, der am 26. Januar 1911 in Dresden uraufgeführt wurde.

Carl Jakob Burckhardt, der bekannte Schweizer Diplomatund Essayist, hat die besondere Atmosphäre von Schloss Neubeuern in dieserZeit, vielleicht am treffendsten formuliert:

»Es gab einenFreundeskreis – Hugo von Hofmannsthal, Annette Kolb, Grete Wiesenthal, Rudolf Kassner, Eberhard vonBodenhausen, Rudolf Borchardt, Rudolf Alexander Schröder, Henry van de Velde,um nur einige zu nennen und da war ein Ort in einer der lieblichsten GegendenOberbayerns, und in diesen Häusern wirkten Frauen, die in wunderbarer Weisediese Freunde vereinigten. Während eines halben Jahrhunderts haben sie eine indieser Art, in jedem Augenblick offen stehende Gastfreundschaft geboten. Füralle schufen sie eine zweite Heimat, eine Zuflucht für ungestörtes Arbeiten,einen immer zur Verfügung stehenden Treffpunkt hoher, geistiger Geselligkeit;dort fand man Anteil, Verständnis über alle Grenzen, Aufmunterung im Geben wieim Nehmen, und es herrschte ein glückliches, ausgewogenes Vertrauen, zu demjeder seinen Teil beitrug. Dieser Mittelpunkt hieß Neubeuern.
Der Zauber, der über jenen Ort ausgebreitet war, ging von den Herrinnen derbeiden Häuser aus jenen singulären Frauen, der Baronin Julie von Wendelstadtund der Gräfin Ottonie Degenfeld-Schonburg. Könnten Mauern sprechen, welcheFülle von hoher Rede und Widerrede würde im Neubeurer Schloss und in demJagdhaus Hinterhör und auf der Heuberghütte erklingen, welch unvergesslicheLesungen soeben vollendeter Dichtungen würden wir vernehmen

R. Käsinger, Januar 2011


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